Liebe in der Deutschen Bahn

(Auszug aus meinem neuen Buch „Im Krankenhaus nur Liebe. Sonst auch.“ welches demnächst im Handel erhältlich ist)

Wenn du von Hamburg nach München fährst und schon an Nürnberg vorbei bist, dann bist du fast am Ziel. Und freust dich schon auf zuhause und auf all die schönen Dinge, die da auf dich warten. Oder? Der Zug kommt auf freier Strecke zum Halt. Die Durchsage des Schaffners ist eindeutig. Ein Triebwagenschaden. Der Zug wird nach Nürnberg zurückgeschleppt. Was tust du?

Mein Vorschlag wäre, dich zutiefst zu freuen. Über die überraschende Wendung in deinem Leben. Wer will schon nach München? Du kennst München. Es ist so wie immer. Da hat sich nichts getan in der Zwischenzeit. Aber in Nürnberg warst du noch nie. Wie wunderbar. Eine Reise nach Nürnberg. Umsonst. Sponsered by German Railroad. Free ticket to wonderland. Wer kann da Nein sagen? Naja, ich schätze, 99% in deinem Zugabteil. Alle sind hektisch am Handy. Ändern ihre Pläne. Rufen jemand an. Ärgern sich. Beschimpfen den Schaffner. Dürfen endlich mal Rachegefühle ausleben. Du nicht. Du weißt ja, die Deutsche Bahn ist das Leben und das Leben hat immer Recht. Du sollst nach Nürnberg und nicht nach München. In Nürnberg auf dem Bahnhof wartet deine zukünftige Frau. Nebenbei bemerkt. Die wartet da schon seit Jahren auf dich, aber du wolltest ja immer nach München. Du Dummerchen. Jetzt also endlich. Ich wünsch euch alles Gute!

Die Geschichte ist natürlich ausgedacht, aber mir gefällt sie. Die folgende ist nicht ausgedacht. Sie passierte einem guten Freund und Weggefährten von mir. Er wollte von „Nirgendwo“ nach „Irgendwo“, aber die Deutsche Bahn hatte ein Problem (so wie viele von uns) und sein Zug endete „Sonstwo“. Er wunderte sich ein wenig, stieg aber aus und wanderte ein wenig herum. In „Sonstwo“ gibt es eine berühmte Imbissbude und er setzte sich hinein und trank einen Kaffee. Und da passierte es auch schon. Die Weisheit der Deutschen Bahn ist grenzenlos. Zwei kleine Jungen betraten die Imbissbude. Sie hatten großen Hunger und ein noch größeres Problem. Zu wenig Geld. Beide kramten in ihren Taschen. 20 cent, 40 cent, … aber es reichte nicht. Tiefe Verzweiflung machte sich breit. Mein Freund (der weiss Gott nicht reich ist) fragte „Was wollt ihr denn?“ Der Mutigere der beiden antwortete „Pommes. Wir wollen Pommes mit Ketchup und Mayo. Aber wir haben nicht genug Geld!“ Wieviel fehlen würde, fragte mein Freund. Vier Euro waren es. Er griff in seine Tasche und gab sie ihnen. Natürlich. Die Deutsche Bahn hatte durch ihn gesprochen. Die Kinderaugen leuchteten und kurze Zeit später leuchteten auch die Farben Rot und Weiß von ihrem Pappbecher. Die beiden strahlten und der eine (wahrscheinlich wieder der Mutigere) sagte zu meinem Freund „Sie haben unser Leben gerettet!“ Genau das war passiert. Die Deutsche Bahn hatte wieder einmal zwei Leben gerettet. Und einen älteren Herrn zutiefst glücklich gemacht. Ganz umsonst.

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